TV

Das Ankommen in der Bilderflut. Nach einem langen Tag, der über Bahnhöfe, durch Fußgängerzonen, ins Büro oder an den Strand geführt hat, schließt sich der Kreis schließlich in den eigenen vier Wänden. Der Mensch kommt zur Ruhe – und schaltet den Fernseher ein. Die Serie „TV“ widmet sich genau diesem alltäglichen Abendritual und wirft einen faszinierenden Blick auf ein gedrucktes Medium, das damals wie heute den Zugang zu diesen medialen Welten strukturierte: die Fernsehzeitung.
Für Klaus Dobrunz ist das Aufschlagen einer Fernsehzeitung wie das Betreten einer Galerie des Absurden. Jeden Tag begegnet uns dort eine ganz eigene, unfreiwillige Ausstellung von Bildern, die willkürlich und ohne inneren Zusammenhang nebeneinandergesetzt sind. Es ist eine Flut aus Reizen, die sich längst unbemerkt in unser Bewusstsein eingeschlichen hat. Wir konsumieren sie im Vorbeigehen, ohne die kurationelle Willkür dahinter überhaupt noch wahrzunehmen.

Die tägliche Ausstellung im Wohnzimmer

In dieser Serie greift Klaus Dobrunz korrigierend und entschleunigend in diesen Kreislauf ein. Er nimmt einzelne, flüchtige Motive aus den Spalten der Programmzeitschriften heraus und bannt sie in Öl auf Leinwand. Durch den Akt der Malerei entzieht er die Kompositionen ihrer ursprünglichen Flüchtigkeit und der reinen Willkür des Mediums. Das Wegwerfprodukt wird zum bleibenden Kunstwerk.
Gleichzeitig reflektiert der Künstler in der Serie „TV“ augenzwinkernd seine eigene Rolle in diesem System: Indem er diese medialen Vorlagen in neue Gemälde transformiert, bricht er den Strom zwar für einen Moment auf – wird aber im selben Augenblick selbst wieder zum Produzenten von noch mehr Bildern für eine bildhungrige Welt.